Schreinanlage


Der Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社) befindet sich in Albisried innerhalb der Gemeinde Lengenwang, eingebettet in die wunderschöne Landschaft des Allgäus in Süddeutschland. Umgeben von Wäldern, sanften Hügeln und den mächtigen Bergen der Alpen wurde der Schrein als Ort der Verehrung, der Besinnung und der kulturellen Bewahrung errichtet. Seine heiligen Anlagen wurden sorgfältig gestaltet, um die Harmonie zwischen der Natur, der Welt der kami (Gottheiten / ) sowie den alten spirituellen Traditionen Japans und der Hokushin Ittō-ryū Hyōhō (Nordstern-Ein-Schwert-Schule der Strategie / 北辰一刀流兵法) zu verkörpern.


Der Hokushin-Jinja besteht aus einer Reihe bedeutender heiliger Bauwerke und Einrichtungen, die jeweils zum religiösen Leben, zum architektonischen Charakter und zur symbolischen Bedeutung des Jinja (Schreins / 神社) beitragen. Gemeinsam bilden sie einen zusammenhängenden heiligen Bezirk, der sowohl nach den traditionellen Prinzipien japanischer Schreine als auch nach den spirituellen Traditionen gestaltet wurde, die mit der Verehrung des Hokushin Myōken Sonjō-ō (des Ehrwürdigen Sternenkönigs Myōken des Nordsterns / 北辰妙見尊星王) verbunden sind. Einige dieser Bauwerke sind zeitgenössische Schöpfungen, während andere historische Gebäude und Artefakte darstellen, die aus früheren Zeitaltern bewahrt wurden, wodurch eine harmonische Verbindung zwischen den lebendigen Traditionen der Gegenwart und dem kulturellen Erbe der Vergangenheit entsteht.


Der Eingang des Hokushin-Jinja wird von zwei Shishi (Schreinwächtern in Form von Löwenhunden) bewacht

Gestaltet nach der Heiligen Landschaft des Nördlichen Himmels


Mit einer Fläche von circa 1.700 Quadratmetern umfassen die heiligen Anlagen sowohl den Hokushin-Jinja als auch den ihn umgebenden Kokuryū-En (Garten des Schwarzen Drachen / 黒龍園). Gemeinsam wurden sie als eine einheitliche spirituelle Landschaft konzipiert, welche die Beziehung zwischen Myōken, der im Hokushin-Jinja verehrten Gottheit, und Genbu (dem Schwarzen Krieger des Nordens / 玄武), dem himmlischen Wächter des nördlichen Himmels und göttlichen Begleiter Myōkens, zum Ausdruck bringt. 


Innerhalb dieser symbolischen Anordnung verkörpert der Schrein selbst Myōken, den vergöttlichten Hokushin (Nordstern / 北辰), der als die unbewegliche himmlische Achse betrachtet wird, um welche sich die unzähligen Sterne des Himmels drehen. Den Schrein umgebend repräsentiert der Kokuryū-En (Garten des Schwarzen Drachen / 黒龍園) Genbu (den Schwarzen Krieger des Nordens / 玄武) in der Gestalt des Kokuryū (des schwarzen Drachens / 黒龍), der göttlichen Verkörperung des Hokuto-Shichisei (Sternbild des Großen Wagens / 北斗七星). So wie die sieben Sterne des Großen Wagens im Wechsel der Jahreszeiten ewig den Nordstern umkreisen, umschließt und umgibt der Garten den Schrein und bringt damit die heilige Beziehung zwischen dem unbeweglichen himmlischen Zentrum und den dynamischen Kräften zum Ausdruck, die sich um dieses herumbewegen.


Auf diese Weise wurden der gesamte Schrein und seine Umgebung als lebendige Darstellung des nördlichen Himmels konzipiert. Myōken steht in seinem Zentrum als die göttliche Achse der himmlischen Ordnung, während Genbu die Bewegung, den Schutz und die beständige Kraft verkörpert, welche dieses heilige Zentrum umgeben und bewahren. Gemeinsam verkörpern sie die einander ergänzenden Prinzipien, durch welche die Harmonie des Kosmos aufrechterhalten wird: Ruhe und Bewegung, Beständigkeit und Wandel, Führung und Schutz.


Der Vorplatz des Hokushin-Jinja mit dem Haiden (Halle der Verehrung) sowie dem Go-Shinboku (heiligen Baum) des Schreins im Hintergrund

Hagunden


Das zentrale Gebäude des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社) ist das Haiden (die Halle der Verehrung / 拝殿) des Schreins, das sogenannte Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿). Als Haupt-Ort der Verehrung, des Gebets und der Zeremonien stellt es das spirituelle Zentrum des Schreins dar und den Ort, an dem die Verehrenden der göttlichen Gegenwart des Kami (Gottheit / ) Hokushin Myōken Sonjō-ō (des Ehrwürdigen Sternenkönigs Myōken des Nordsterns / 北辰妙見尊星王) begegnen.


Das Hagunden, welches als Haiden (Halle der Verehrung) des Hokushin-Jinja dient

Der Name Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿) leitet sich von Hagunsei (Armee-zerstörender Stern / 破軍星) ab, dem siebten und letzten Stern des Hokuto-Shichisei (Großer Wagen / 北斗七星). Dieser Stern bildet zugleich den Schwanz Genbus (des Schwarzen Kriegers des Nordens / 玄武) in der Gestalt des Kokuryū (des schwarzen Drachens des Nordens / 黒龍) als Vergöttlichung des Großen Wagens. Innerhalb der ostasiatischen Kosmologie wird dieser Stern seit langem mit kriegerischer Macht, Wandlung, entschlossenem Handeln und der Überwindung von Hindernissen in Verbindung gebracht. Über Jahrhunderte hinweg besaß diese Symbolik eine besondere Bedeutung für die Bushi (Krieger / 武士) Japans, die in Zeiten von Krieg und Konflikt auf den nördlichen Himmel blickten, um Führung und Schutz zu suchen. Zu Ehren dieser Tradition spiegelt der Name Hagunden sowohl das kriegerische Erbe der Hokushin Ittō-ryū Hyōhō (Nordstern-Ein-Schwert-Schule der Strategie / 北辰一刀流兵法), einer der berühmtesten Samurai-Schulen der Geschichte, als auch die fortdauernde Beziehung zwischen den Kriegskunsttraditionen Japans und dem durch Myōken repräsentierten himmlischen Bereich wider.



Die Architektur des Hagunden


Aus architektonischer Sicht ist das Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿) ein sorgfältig gestaltetes Schreinbauwerk, dessen Inspiration auf einige der ältesten und bedeutendsten heiligen Schreinbautraditionen Japans zurückgeht: Shinmei-Zukuri (Shinmei Architekturstil / 神明造) und Taisha-Zukuri (Großschrein Architekturstil / 大社造).


Der stärkste Einfluss geht vom Shinmei-Zukuri (Shinmei Architekturstil / 神明造) aus, jenem Architekturstil, der vor allem mit dem Ise Jingū (Großschrein von Ise / 伊勢神宮) verbunden wird, dem heiligsten Schreinkomplex Japans, der der Sonnengöttin Amaterasu Ō-Mikami (Große den Himmel erleuchtende Gottheit / 天照大御神) geweiht ist. Amaterasu zählt zu den am höchsten verehrten Gottheiten des Shintō (Japans einheimische Naturreligion / 神道) und gilt den Überlieferungen des Kojiki („Aufzeichnungen alter Begebenheiten“, verfasst 711–712 / 古事記) sowie des Nihon Shoki („Chroniken Japans“, verfasst 720 / 日本書紀) nach, als Ahnengottheit des japanischen Kaiserhauses.


Dieser Einfluss des Shinmei-Zukuri (Shinmei Architekturstil / 神明造) innerhalb der Architektur des Hagunden zeigt sich in den klaren und zurückhaltenden Linien des Schreins, der Verwendung natürlichen, unbehandelten Holzes, der einfachen rechteckigen Form des Heiligtums, dem geraden Dach sowie den markanten Chigi (gegabelte Dachaufsätze / 千木) und Katsuogi (runde Dachbalken / 鰹木), welche das Dach schmücken. Gemeinsam schaffen diese Elemente eine Atmosphäre von Reinheit, Schlichtheit und stiller Würde und spiegeln das alte Verständnis des Shintō (Japans einheimische Naturreligion / 神道) wider, nach dem sich Heiligkeit oftmals durch Harmonie, Ausgewogenheit und natürliche Schönheit statt durch Ausschmückung ausdrückt.


Die Architektur des Hagunden besteht aus Einflüssen des Shinmei-Zukuri und Taisha-Zukuri

Gleichzeitig weist das Hagunden mehrere starke Einflüsse des Taisha-Zukuri (Großschrein Architekturstil / 大社造) auf, das als eine der ältesten in Japan bewahrten Formen der Schreinarchitektur gilt. Dieser Baustil wird vor allem durch den Izumo Taisha (Großschrein von Izumo / 出雲大社) repräsentiert, der Ōkuninushi no Ō-Kami (Große Gottheit und Meister des Großen Landes / 大国主大神) geweiht ist, einer der bedeutendsten Gottheiten, die im Kojiki („Aufzeichnungen alter Begebenheiten“, verfasst 711–712 / 古事記) und im Nihon Shoki („Chroniken Japans“, verfasst 720 / 日本書紀) beschrieben werden.

Diesen alten Chroniken zufolge spielte Ōkuninushi eine zentrale Rolle bei der Erschaffung, Ordnung und Herrschaft über die irdische Welt, bevor er ihre Herrschaft in dem göttlichen Ereignis, das als Kuni-Yuzuri (Übergabe des Landes / 国譲り) bekannt ist, an die Nachkommen von Amaterasu Ō-Mikami und damit an das japanische Kaiserhaus übertrug. Als Anerkennung für diese Tat sollen die himmlischen Gottheiten ihm die Errichtung eines prachtvollen Palastes gewährt haben, der traditionell als Ursprung des Izumo Taisha (Großschrein von Izumo / 出雲大社) verstanden wird.


Im architektonischen Entwurf des Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿) des Hokushin-Jinja zeigt sich der Einfluss des Taisha-Zukuri (Großschrein Architekturstil / 大社造) durch den erhöhten Boden, die robuste Holzkonstruktion und die kraftvolle frontale Ausrichtung, die dem Bauwerk ein Gefühl von Beständigkeit und Stärke verleihen. Seine kraftvollen und zugleich unkomplizierten Formen spiegeln eine architektonische Philosophie wider, in der sich Heiligkeit durch Proportion, handwerkliche Meisterschaft und Harmonie mit der Natur ausdrückt. Diese Merkmale verleihen dem Hagunden einen deutlich kriegerischen Charakter, der seiner Rolle als spirituelles Zentrum einer Tradition entspricht, deren Wurzeln tief in die Kultur der japanischen Kriegerklasse reichen.






Das Seiōden


Innerhalb des Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿) befindet sich das innerste und heiligste Heiligtum des Schreins, das Seiōden (Halle des Königs der Sterne / 星王殿). Das Seiōden ist das Shinden (Halle der Gottheit / 神殿) des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社) und beherbergt die antike Go-Shintai (den heiligen Körper der Gottheit / 御神体) des Schreins, eine hölzerne Statue der Gottheit Hokushin Myōken Sonjō-ō (des Ehrwürdigen Sternenkönigs Myōken des Nordsterns / 北辰妙見尊星王) aus der Edo-Zeit (1603–1868). Als Wohnstätte der Gottheit innerhalb des Schreins bildet das Seiōden die spirituelle Achse, um welche sich das Leben des Hokushin-Jinja dreht.


Das Seiōden ist das innerste Heiligtum des Hokushin-Jinja


Der Name Seiōden (Halle des Königs der Sterne / 星王殿) leitet sich vom Titel Seiō (König der Sterne / 星王) ab, einem der Ehrentitel, unter denen Myōken im Verlauf der Geschichte verehrt wurde. Dieser Titel spiegelt Myōkens Rolle als himmlischer Herrscher des nördlichen Himmels und seine Identität als göttliche Verkörperung des Hokushin (Nordsterns / 北辰) wider, des unbeweglichen Zentrums, um welches sich die Sterne und Sternbilder des Himmels zu drehen scheinen. Innerhalb der kosmologischen Traditionen des Hokushin-Shinkō (Verehrung des Nordsterns / 北辰信仰) wurde der Nordstern als himmlische Achse betrachtet, welche die Ordnung des Himmels lenkt, während die umliegenden Sterne ihre ewigen Bewegungen um ihn vollziehen. Als Vergöttlichung dieses heiligen himmlischen Zentrums wurde Myōken als Seiō (König der Sterne / 星王) verehrt, dessen göttliche Autorität Harmonie und Ordnung im gesamten Kosmos aufrechterhält. Das Seiōden (Halle des Königs der Sterne / 星王殿) dient daher nicht lediglich als innerstes Heiligtum des Schreins, sondern ebenso als symbolische Darstellung des himmlischen Zentrums selbst. So wie der Hokushin (Nordstern / 北辰) unbewegt inmitten des sich drehenden Himmels steht, nimmt das Seiōden das spirituelle Herz des Hokushin-Jinja ein, von welchem sich die Gegenwart und die Segnungen Myōkens über die gesamten heiligen Anlagen ausbreiten.


Anders als das Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿), das gemeinsam mit dem Großteil des Hokushin-Jinja zwischen 2025 und 2026 errichtet wurde, ist das Seiōden (Halle des Königs der Sterne / 星王殿) ein historisches Schreinbauwerk aus der späten Edo-Zeit (1603–1868). Von den Meisterhandwerkern seiner Epoche geschaffen, zeigt das Seiōden die bemerkenswerte Handwerkskunst, für welche die japanische Schreinarchitektur während der feudalen Epochen des Landes charakteristisch war. Es wurde im traditionellen Nagare-Zukuri (Fließdach Architekturstil / 流造) gefertigt, einem der am weitesten verbreiteten Schreinbaustile Japans, dessen charakteristisches Merkmal das nach vorne verlängerte geschwungene Dach ist. Das asymmetrische Dach des shinden (Halle der Gottheit / 神殿) erstreckt sich dabei über den Eingangsbereich hinaus und bildet ein schützendes Vordach über der Treppe und dem Zugang zum Heiligtum.


Zu den bemerkenswertesten Merkmalen des Seiōden zählen seine kunstvollen Holzschnitzereien. Drachen, Wächtertiere und Wolken treten aus den tragenden Bauelementen unterhalb der Dachtraufe hervor und verwandeln funktionale architektonische Bestandteile in bemerkenswerte Kunstwerke. Besonders hervorzuheben sind die geschnitzten Drachen, deren fließende Formen sich scheinbar durch die Wolken bewegen, welche das Heiligtum umgeben. Innerhalb der Symbolik des Hokushin-Jinja erinnern diese Schnitzereien an Genbu (den Schwarzen Krieger des Nordens / 玄武) in der Gestalt des Kokuryū (des schwarzen Drachens / 黒龍), den himmlischen Wächter des nördlichen Himmels sowie den göttlichen Begleiter und Beschützer Myōkens.


Schnitzerei des Seiōden welche Genbu in der Gestalt des Kokuryū darstellt

Das Heiligtum wird darüber hinaus von Schnitzereien von Shishi (Löwenhunden / 獅子) und Baku (mythische traumverschlingende Wesen / ) geschmückt, die beide als traditionelle Schutzsymbole innerhalb der japanischen Schrein- und Tempelarchitektur dienen. Die Shishi (Löwenhunde / 獅子) werden als Wächter verehrt, die böse Einflüsse abwehren und heilige Orte beschützen, während die Baku (mythische traumverschlingende Wesen / ), legendäre Geschöpfe, denen die Fähigkeit zugeschrieben wird, Alpträume und Unglück zu verschlingen, ebenfalls als Beschützer gegen schädliche Einflüsse gelten. Gemeinsam bringen die geschnitzten shishi (Löwenhunde / 獅子) und Baku (mythische traumverschlingende Wesen / ) die Reinheit des Heiligtums zum Ausdruck und dienen als Wächter sowohl des heiligen Bauwerks selbst als auch der göttlichen Gegenwart, die ihm innewohnt.


Durch die Bewahrung des Seiōden bleibt ein greifbares Stück des heiligen und künstlerischen Erbes Japans erhalten, das den Hokushin-Jinja nicht nur mit den spirituellen Traditionen der Vergangenheit verbindet, sondern ebenso mit den Generationen von Handwerkern, deren Werk dem Dienst an den Kami (Gottheiten / ) gewidmet war.






Die Go-Shintai


Im Zentrum des Seiōden (Halle des Königs der Sterne / 星王殿) befindet sich die Go-Shintai (der heilige Körper der Gottheit / 御神体) des Schreins: eine alte Holzstatue von Hokushin Myōken Sonjō-ō (des Ehrwürdigen Sternenkönigs Myōken des Nordsterns / 北辰妙見尊星王) aus der Edo-Zeit (1603–1868). Durch den heiligen Ritus der Kanjō-Zeremonie (Zeremonie der Einladung und Übertragung einer göttlichen Gegenwart in einen Gegenstand / 勧請) dient die Statue als Gefäß, durch welches sich die göttliche Gegenwart Myōkens innerhalb des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社) manifestieren kann.


Die heilige Go-Shintai von Myōken innerhalb des Hokushin-Jinja

Die Holzstatue stellt Myōken in seiner traditionellen Gestalt als Kriegsgottheit, die ein erhobenes Schwert über ihrem Haupt hält, dar. Innerhalb der Symbolik der Myōken-Verehrung steht das Schwert für Wachsamkeit, rechtschaffene Stärke und die göttliche Autorität, jene Kräfte zu überwinden und niederzuschlagen, welche die kosmische Ordnung und Harmonie bedrohen. Sein strenger Gesichtsausdruck und seine aufrechte Haltung verkörpern darüber hinaus die Tugenden, für die er seit langem verehrt wird: unerschütterliche Entschlossenheit, Schutz und Führung inmitten der sich ständig wandelnden Umstände des Lebens.


Aus einem einzigen massiven Holzblock geschnitzt, trägt die Statue die Spuren jahrhundertelanger Verehrung und Bewahrung. Mehr als ein Werk religiöser Kunst dient sie als Verkörperung der Gegenwart Myōkens innerhalb des Hokushin-Jinja und bildet somit den Mittelpunkt aller Verehrung, welche innerhalb des Schreins stattfindet.






Die Hokutoba


Unmittelbar vor dem Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿) befindet sich die Hokutoba (der Platz des Großen Wagens / 北斗場), der Zeremonienhof des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社). Benannt nach dem Hokuto-Shichisei (dem Sternbild des Großen Wagens / 北斗七星), dessen ewige Bewegung um den Hokushin (Nordstern / 北辰) eines der zentralen Symbole der Verehrung des Hokushin Myōken Sonjō-ō (des Ehrwürdigen Sternenkönigs Myōken des Nordsterns / 北辰妙見尊星王) darstellt, umfasst die Hokutoba (der Platz des Großen Wagens / 北斗場) den heiligen Vorhof, der sich vor der Haupthalle des Schreins erstreckt.


Der Hof der Hokutoba, vor dem Hagunden, dient als Ort ritueller Feiern, sowie Hōnō-Enbu, Hōnō-Jiai und Yagai-Dōjō


Bestehend aus dem zentralen, mit Granit gepflasterten Hof sowie dem ihn umgebenden Zeremonialbereich dient die Hokutoba als Hauptort für religiöse Zeremonien, Hōnō-Enbu (den Gottheiten gewidmete Vorführungen der Kriegskunst / 奉納演武), Hōnō-Jiai (den Gottheiten gewidmete Duelle / 奉納試合), sowie als traditionelles Yagai-Dōjō (Outdoor-Dōjō / 野外道場) der berühmten Samurai-Schule Hokushin Ittō-ryū Hyōhō.






Die Shinmei-Torii


Die heiligen Anlagen des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社) werden von drei großen Shinmei-Torii (Schreintore im Shinmei-Stil / 神明鳥居) eingerahmt, deren schlichte und würdevolle Form durch gerade Linien, eine unverzierte Bauweise sowie die Betonung von Reinheit und heiliger Schlichtheit gekennzeichnet ist. Shinmei-Torii (Schreintore im Shinmei-Stil / 神明鳥居) sind die älteste und einfachste Form von Torii (Schreintoren / 鳥居) in Japan und reichen bis in die frühe Heian-Zeit (794–1185) zurück.


Eines der drei Shinmei-Torii des Hokushin-Jinja, geschmückt mit Shimenawa (heiligem Seil) und Shide (Papierstreifen) als Zeichen der Reinheit

Innerhalb der Traditionen des Shintō (Japans einheimische Naturreligion / 神道) markiert ein Torii (Schreintor / 鳥居) die Grenze zwischen der gewöhnlichen Welt und dem heiligen Bereich der Kami (Gottheiten / ). Das Durchschreiten eines Torii (Schreintors / 鳥居) bedeutet daher mehr als lediglich das Betreten eines physischen Ortes; es symbolisiert den Übergang in die Welt des Göttlichen. Wer die Tore durchschreitet, betritt die heilige Welt der Kami (Gottheiten / ), in der Verehrung, Rituale und spirituelle Praxis stattfinden. Jenseits von ihnen erstreckt sich die gewöhnliche Welt des alltäglichen Lebens.


Die drei Torii (Schreintore / 鳥居) sind darüber hinaus mit Shimenawa (heiligen Seilen / 注連縄) und Shide (zickzackförmige Papierstreifen / 紙垂) geschmückt, traditionellen Symbolen von Reinheit und Heiligkeit innerhalb des Shintō (Japans einheimische Naturreligion / 神道) Glaubens. Gemeinsam weisen sie auf die Gegenwart des Göttlichen hin und kennzeichnen den dahinterliegenden Bereich sichtbar als heiligen Boden. Das Shimenawa (heilige Seil / 注連縄) dient als Grenze zwischen dem Heiligen und dem Gewöhnlichen, während die Shide (zickzackförmige Papierstreifen / 紙垂) für Reinigung und die spirituelle Gegenwart der Kami (Gottheiten / ) stehen, die innerhalb der Schreinanlagen wohnen.


Das Ichi no Torii (Erstes Torii / 一の鳥居) markiert den Haupteingang zu den Anlagen des Hokushin-Jinja. Das Ni no Torii (Zweites Torii / 二の鳥居) befindet sich am Eingang zum weitläufigen Gelände des Kokuryū-En (Garten des Schwarzen Drachen / 黒龍園), während das San no Torii (Drittes Torii / 三の鳥居) den Übergang zum Kengō no Yu (Bad der Schwertmeister / 剣豪の湯) markiert, dem großen privaten Wellnessbereich des Chiba-Dōjō (千葉道場) der Hokushin Ittō-ryū, der als eigenständiger Bereich innerhalb der Schönheit des Kokuryū-En (Garten des Schwarzen Drachen / 黒龍園) gelegen ist. Gemeinsam bilden die drei Torii (Schreintore / 鳥居) heilige Portale, welche die göttliche Welt der Kami (Gottheiten / ) innerhalb des Jinja (Schreins / 神社) vor den Einflüssen der gewöhnlichen äußeren Welt schützen.


Das Ichi no Torii mit Blick auf das Hagunden, die Halle der Verehrung des Hokushin-Jinja

Die Shishi


Vor dem Ichi no Torii (Erstes Torii / 一の鳥居), dem Eingang des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社), steht ein Paar steinerner Shishi (Löwenhunde / 獅子), traditionelle Wächterfiguren, die sowohl an Shintō-Schreinen (Japans einheimische Naturreligion / 神道) als auch an Tempeln des Bukkyō (Buddhismus / 仏教) in ganz Japan zu finden sind. Hervorgegangen aus alten Löwendarstellungen, die von Indien über China und Korea überliefert wurden, werden die Shishi (Löwenhunde / 獅子) – die ebenfalls häufig als Komainu (koreanische Hunde / 狛犬) bezeichnet werden – innerhalb des Shinbutsu-Shūgō (dem Synkretismus von Shintōismus und Buddhismus / 神仏習合) seit langem als Beschützer vor bösen Einflüssen, Unglück und spiritueller Unreinheit verehrt. An Eingängen und heiligen Grenzen aufgestellt, dienen sie dazu, den Bereich der Kami (Gottheiten / ), Butsu (Buddhas / ) und Bosatsu (Bodhisattvas / 菩薩) zu bewachen und zugleich jene zu beschützen, die mit aufrichtigem Herzen eintreten.


Steinerner Shishi (Löwenhund) im alten chinesisch geprägten Stil am Eingang des Hokushin-Jinja.

Das Paar am Hokushin-Jinja wurde von Hand aus vulkanischem Gestein gefertigt und folgt einem alten Stil, der starke chinesische Einflüsse bewahrt. Anders als die bekanntere japanische Konvention der Edo-Zeit (1603–1868), bei der ein Shishi (Löwenhund / 獅子) ein geöffnetes Maul und der andere ein geschlossenes Maul besitzt, weisen beide dieser Wächter geöffnete Mäuler auf, ein Merkmal, das häufig bei älteren chinesischen und ostasiatischen Beispielen des Festlandes anzutreffen ist und während verschiedener Epochen auch in Japan verbreitet war. Ihre kraftvollen Formen und ausdrucksstarken Gesichtszüge spiegeln eine Tradition wider, die vielen jener stilistischen Entwicklungen vorausgeht, welche später in Japan zum Standard wurden. Beispiele solcher chinesisch beeinflussten Shishi (Löwenhunde / 獅子) finden sich noch heute an einer Reihe bedeutender Schreine und Tempel in ganz Japan, darunter auch am berühmten Kiyomizu-Dera (Tempel des Reinen Wassers / 清水寺) in Kyōto.


Die Anwesenheit dieser Wächter am Eingang des Hokushin-Jinja erfüllt daher nicht nur ihre traditionelle Schutzfunktion, sondern dient zugleich als Erinnerung an den reichen kulturellen und künstlerischen Austausch, durch den sich viele Aspekte der japanischen Religionskultur ursprünglich entwickelten.






Das Chōzuya


Unmittelbar nach dem Betreten des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社) und rechts des Ichi no Torii (Erstes Schreintor / 一の鳥居) befindet sich das Chōzuya (Reinigungsbrunnen / 手水舎). Bevor sich die Verehrenden dem Schrein nähern, führen sie traditionell eine rituelle Reinigung durch, die als Temizu (Reinigung mit Wasser / 手水) bekannt ist, eine Praxis, die seit Jahrhunderten einen wesentlichen Bestandteil der Verehrung innerhalb des Shintō (Japans einheimische Naturreligion / 神道) bildet.


Das Chōzuya (Reinigungsbrunnen) am Eingang des Hokushin-Jinja

Innerhalb des Shintō (Japans einheimische Naturreligion / 神道) gilt Reinheit als eine wichtige Voraussetzung, um sich den Kami (Gottheiten / ) zu nähern. Der Zweck dieses Rituals besteht daher nicht allein in körperlicher Sauberkeit, sondern in der symbolischen Reinigung von Körper, Geist und Seele vor dem Eintritt in die heilige Gegenwart der Gottheit.


Während des Temizu (Reinigung mit Wasser / 手水) wird das Wasser niemals getrunken, sondern ausschließlich für die rituelle Reinigung verwendet. Ebenso darf Wasser, das zum Reinigen der Hände oder zum Ausspülen des Mundes verwendet wurde, niemals in das Becken zurückgegeben werden. Stattdessen lässt man es auf den Boden fließen, wodurch symbolisch Unreinheit fortgetragen wird und sowohl der Verehrende als auch das Chōzuya (Reinigungsbrunnen / 手水舎) in einem Zustand der Reinheit verbleiben.


Durchführung des Temizu (Reinigung mit Wasser / 手水) am Hokushin-Jinja:


  • Nähern Sie sich dem Chōzuya (Reinigungsbrunnen / 手水舎) und verbeugen Sie sich leicht davor.
  • Nehmen Sie einen der Hishaku (hölzerne Schöpfkelle / 柄杓) mit der rechten Hand auf, um Wasser aus dem fließenden Wasser zu schöpfen. Das im Hishaku (hölzerne Schöpfkelle / 柄杓) befindliche Wasser sollte für das gesamte Reinigungsritual ausreichen.
  • Reinigen Sie zunächst die linke Hand, indem Sie sie leicht mit dem geschöpften Wasser abspülen. Tun Sie dies vor dem Chōzuya (Reinigungsbrunnen / 手水舎). Verwendetes Wasser darf niemals in das Becken zurückgegeben werden.
  • Reinigen Sie anschließend die rechte Hand auf dieselbe Weise, indem Sie den Hishaku (hölzerne Schöpfkelle / 柄杓) in die linke Hand nehmen.
  • Nachdem Sie den Hishaku (hölzerne Schöpfkelle / 柄杓) wieder in die rechte Hand genommen haben, gießen Sie etwas Wasser in die linke Hand und verwenden dieses, um den Mund sanft auszuspülen. Das Wasser wird anschließend auf den Boden neben dem Chōzuya (Reinigungsbrunnen / 手水舎) ausgespuckt. Trinken Sie das Wasser niemals!
  • Danach wird die linke Hand ein weiteres Mal gereinigt, bevor das verbleibende Wasser über den Stiel des Hishaku (hölzerne Schöpfkelle / 柄杓) laufen gelassen wird, wodurch die Schöpfkelle selbst gereinigt wird.
  • Legen Sie den Hishaku (hölzerne Schöpfkelle / 柄杓) anschließend wieder auf das Chōzuya (Reinigungsbrunnen / 手水舎). Geben Sie ihn niemals direkt an eine andere Person weiter.
  • Treten Sie einen Schritt zurück und verbeugen Sie sich leicht vor dem Chōzuya (Reinigungsbrunnen / 手水舎). Nun sind Sie bereit, sich dem Haiden (Halle der Verehrung / 拝殿) des Jinja (Schreins / 神社) zu nähern und zu den Kami (Gottheiten / ) des Schreins zu beten.


Dieser einfache und zugleich tiefgründige Akt dient dazu, die Verehrenden darauf vorzubereiten, mit gereinigtem Herzen und klarem Geist vor die Kami (Gottheiten / ) zu treten, und erinnert daran, weltliche Sorgen hinter sich zu lassen und sich dem Jinja (Schrein / 神社) mit Aufrichtigkeit, Demut und Ehrfurcht zu nähern.






Der Go-Shinboku


Neben dem Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿) steht eines der am höchsten verehrtesten natürlichen Merkmale des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社): eine alte Esche, die als Go-Shinboku (heiliger Baum / 御神木) des Schreins verehrt wird. Mit ihrem mächtigen Stamm und ihren weit ausladenden Ästen, die sich schützend über den Schrein erstrecken, scheint dieser mehr als hundert Jahre alte Baum das Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿) unter seinem Blätterdach zu umarmen.


Die mehr als hundert Jahre alte Esche des Hokushin-Jinja neben dem Hagunden gilt als Go-Shinboku (heiliger Baum) der Manifestation der Kami


Innerhalb des Shintō (Japans einheimische Naturreligion / 神道) gelten bestimmte Bäume seit langem als besonders heilig. Als Go-Shinboku (heilige Bäume / 御神木) bekannt, werden sie als Wohnstätten der Kami (Gottheiten / ) und als sichtbare Manifestationen der göttlichen Gegenwart innerhalb der natürlichen Welt verehrt. Seit der Antike wurden Wälder, Berge, Wasserfälle und außergewöhnliche Bäume nicht lediglich als Bestandteile der Natur verstanden, sondern als Orte, an denen sich die heilige Kraft der Kami (Gottheiten / ) besonders deutlich offenbart.


Aus diesem Grund bewahren und verehren viele Jinja (Schreine / 神社) in ganz Japan alte Bäume innerhalb ihrer heiligen Anlagen. Solche Bäume sind oftmals älter als die Schreinbauten selbst und stehen als stille Zeugen des Vergehens von Generationen sowie des fortwährenden Kreislaufs des Lebens unter dem Himmel. Ihre beständige Gegenwart wurde zum Symbol für Langlebigkeit, Beständigkeit, Schutz und die ununterbrochene Verbindung zwischen der Welt der Menschen und dem Bereich des Göttlichen.


Auch der Go-Shinboku (heilige Baum / 御神木) des Hokushin-Jinja bildet einen untrennbaren Bestandteil der heiligen Landschaft des Schreins. Neben dem Hagunden (Halle des Armee-zerstörenden Sterns / 破軍殿) stehend, dient es als lebendige Erinnerung an das alte Verständnis des Shintō (Japans einheimische Naturreligion / 神道), dass die Kami (Gottheiten / ) nicht von der Natur getrennt sind, sondern sich durch sie offenbaren. Unter seinen Ästen wird die Harmonie zwischen der natürlichen Welt, dem Schrein und der göttlichen Gegenwart des Hokushin Myōken Sonjō-ō (des Ehrwürdigen Sternenkönigs Myōken des Nordsterns / 北辰妙見尊星王) sichtbar und bringt dadurch die fortdauernde Einheit von Himmel, Erde und allen lebenden Wesen zum Ausdruck.






Der Inari-Schrein


Am Fuße des Go-Shinboku (heiligen Baums / 御神木) des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社) befindet sich ein kleiner Inari-Sha (Inari-Schrein / 稲荷社), der eine besonders eindrucksvolle Verbindung zwischen der natürlichen und der spirituellen Welt schafft. Dem Inari Ō-Kami (Große Gottheit Inari / 稲荷大神) geweiht, einer der am weitesten verbreitet verehrten Gottheiten Japans, dient der Schrein als Ort des Gebets für Wohlstand, Erfolg und Glück.


Der Inari-Sha (Inari-Schrein) am Fuße des Go-Shinboku (heiligen Baums) ist Inari Ō-Kami (Große Gottheit Inari) geweiht.

Inari Ō-Kami (Große Gottheit Inari / 稲荷大神) wird traditionell als Kami (Gottheit / ) des Reises, der Landwirtschaft, der Fruchtbarkeit, des Wohlstands, des Handels, des weltlichen Erfolgs sowie als Schutzgottheit der Schwertschmiede verehrt. Im Laufe der Jahrhunderte verbreitete sich die Verehrung Inaris durch alle Schichten der japanischen Gesellschaft, wodurch Inari zu einer der beliebtesten und am weitesten verehrten Gottheiten Japans wurde. Eng mit diesem Kami (Gottheit / ) verbunden sind die Kitsune (Füchse / ), die nicht als die Gottheit selbst betrachtet werden, sondern als göttliche Boten, die Inari Ō-Kami dienen.


Inari Ō-Kami, traditionell begleitet von Füchsen, gilt als Kami des Reises, der Landwirtschaft und des Wohlstands.

Die Errichtung des Inari-Sha (Inari-Schreins / 稲荷社) unterhalb des Go-Shinboku (heiligen Baums / 御神木) wurde durch das häufige Erscheinen eines Kitsune (Fuchses / ) inspiriert, der regelmäßig das Schreingelände in der Nähe des heiligen Baumes durchquert. In Übereinstimmung mit der seit langem bestehenden Verbindung zwischen Inari Ō-Kami (Große Gottheit Inari / 稲荷大神) und den Kitsune (Füchsen / ), die als heilige Boten der Gottheit gelten, wurden diese wiederkehrenden Besuche als ein besonders glückverheißendes Zeichen der Gegenwart Inaris betrachtet.


Der Inari-Sha (Inari-Schrein / 稲荷社) wurde zudem auf Wunsch von Ōtsuka Eriko, der Ehefrau von Ōtsuka Ryūnosuke, dem Sōke (Oberhaupt / 宗家) der Hokushin Ittō-ryū Hyōhō in der siebten Generation, errichtet. Anlass hierfür war ihr gemeinsamer Besuch am Yūtoku Inari-Jinja (Yūtoku Inari-Schrein / 祐徳稲荷神社) in Saga, der zum Lieblingsschrein von Ōtsuka Eriko in Japan wurde. Dort beteten sie gemeinsam für Erfolg und Wohlstand ihrer Karyū (Familienschule / 家流) im Jahr 2025.


Heute steht der Inari-Sha (Inari-Schrein / 稲荷社) innerhalb der Anlagen des Hokushin-Jinja als ein stiller Ort der Verehrung unter dem Go-Shinboku (heiliger Baum / 御神木), an dem Besucher zu Inari Ō-Kami für Fruchtbarkeit, Wohlstand und weltlichen Erfolg beten können.






Der Kokuryū-En


Den Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社) auf allen Seiten umgebend liegt der Kokuryū-En (Garten des Schwarzen Drachen / 黒龍園), ein japanischer Garten, der als Ort der Schönheit, der Kontemplation und der Harmonie mit der Natur geschaffen wurde. In Albisried innerhalb der Gemeinde Lengenwang gelegen, eingebettet in die sanften Hügel, Wälder und Alpenlandschaften des Allgäus, verbindet der Garten die ästhetischen Prinzipien der traditionellen japanischen Gartenkultur mit dem natürlichen Charakter seiner bayerischen Umgebung.


Geschwungene Wege aus Naturstein führen die Besucher durch die verschiedenen Szenerien und Aussichtspunkte des Gartens. Entlang des Weges schaffen ein sanft fließender Bach, ein Koi-Teich, sorgfältig arrangierte Felsformationen sowie eine große Vielfalt an Bäumen, Sträuchern und blühenden Pflanzen eine Umgebung, die sich im Verlauf des Jahres ständig verändert und dennoch in jeder Jahreszeit harmonisch bleibt. Obwohl von der traditionellen japanischen Gartengestaltung inspiriert, schöpft die Landschaft zugleich in hohem Maße aus der natürlichen Schönheit des Allgäus selbst. Die Felsformationen, Terrassenebenen und die geschichtete Anordnung der Steine wurden von den Bergen, Tälern und geologischen Formationen inspiriert, welche die umliegende Region prägen, und schaffen dadurch eine einzigartige Synthese aus japanischer Ästhetik und der lokalen Landschaft. 


Zu den beliebtesten Zeiten für einen Besuch des Kokuryū-En gehört die Zeit des Hanami (der Blütenbetrachtung / 花見). Da Albisried auf einer Höhe von 809 Metern über dem Meeresspiegel am Fuße der Alpen liegt, setzt der Frühling dort später ein als in vielen anderen Teilen Deutschlands, wodurch Besucher die Blütezeit von Mitte April bis Mitte Mai genießen können. Während dieser Zeit verwandeln zahlreiche Sakura (japanische Kirschbäume / ), Fuji (japanische Blauregen / ) und Flieder den Garten in eine Landschaft voller Farben und Düfte. Jede Jahreszeit besitzt ihren eigenen Reiz. Der Sommer bringt üppiges Grün und einen lebendigen Teich hervor, der Herbst taucht den Garten in leuchtende Rot- und Goldtöne, und der Winter offenbart eine stillere Schönheit, wenn winterblühende Pflanzen selbst in den kältesten Monaten Leben und Farbe in die Landschaft bringen.


Auf einer Insel innerhalb des fließenden Baches des Kokuryū-En befindet sich der Enmei-Seki (Stein der Vollkommenen Klarheit / 圓明石). Umgeben vom Klang des fließenden Wassers und der ruhigen Schönheit des Gartens dient er als Ort des Mokusō (der stillen Meditation / 黙想) und bietet Besuchern die Möglichkeit zu stiller Reflexion und Kontemplation inmitten der Natur. Der Begriff Enmei (vollkommene Klarheit / 圓明) bringt das Ideal eines Geistes zum Ausdruck, der ungehindert, ruhig und von Einsicht erleuchtet ist. In Übereinstimmung mit dieser Symbolik bietet der Enmei-Seki einen abgeschiedenen Ort, an dem innere Stille kultiviert werden kann, während man über die Harmonie der natürlichen und spirituellen Welten nachdenkt, welche der Kokuryū-En zu verkörpern sucht. 


Rechts der Haupthalle des Hokushin-Jinja befindet sich der Genbu-Seki (Stein des Genbu / 玄武石), von welchem der Garten selbst seinen Namen erhält. Dieser Iwakura (heiliger Wohnstein einer Gottheit / 磐座) ist eine gewaltige Felsformation, die innerhalb des Shintō (Japans einheimische Naturreligion / 神道) als Ort verehrt wird, an dem sich ein Kami (Gottheit / ) offenbart und verweilt. Iwakura (heilige Wohnsteine von Gottheiten / 磐座) stellen eine der ältesten Formen der Verehrung in Japan dar, älter noch als die Errichtung von Schreinbauten, und spiegeln den alten Glauben wider, dass das Göttliche innerhalb der natürlichen Welt selbst gegenwärtig ist. Als natürliches Yorishiro (Gegenstand, der die Gegenwart einer Gottheit anziehen kann / 依代) verehrt, dient er als Ort, an dem sich die göttliche Gegenwart Genbus (des Schwarzen Kriegers des Nordens / 玄武) innerhalb der Landschaft des Gartens manifestieren kann. Geschmückt mit einem Shimenawa (heiliges Seil / 注連縄) und Shide (zickzackförmige Papierstreifen / 紙垂), welche das Göttliche kennzeichnen, wird der Genbu-Seki als natürlicher Schrein betrachtet, der dem himmlischen Wächter des nördlichen Himmels geweiht ist. Seine beständige Gestalt symbolisiert die Standhaftigkeit, Stärke und schützende Kraft, die traditionell mit Genbu verbunden werden. 


Der mit Shimenawa (heiliges Seil) und Shide (Papierstreifen) geschmückte Genbu-Seki (Stein des Genbu) gilt als natürlicher Schrein innerhalb des Kokuryū-En

Zu den zahlreichen Einrichtungen des Kokuryū-En gehört das Kengō no Yu (Bad der Schwertmeister / 剣豪の湯), ein abgegrenzter Bereich, welcher der Entspannung, Erholung und Kontemplation gewidmet ist. Eingebettet in die friedvolle Umgebung des Gartens verfügt er über ein Rotenburo (heißes Freiluftbad / 露天風呂), ein Mizuburo (Kaltwasserbad / 水風呂), eine Sauna sowie einen Ruhebereich. Ausschließlich für private Gäste vorgesehen, bietet das Kengō no Yu (Bad der Schwertmeister / 剣豪の湯) einen Ort, um sich inmitten der Schönheit und Gelassenheit des Kokuryū-En zu entspannen. Inspiriert von der lang gepflegten japanischen Tradition, körperliches Wohlbefinden mit geistiger und spiritueller Erneuerung zu verbinden, bietet es einen friedvollen Rückzugsort, an dem Gäste die wohltuenden Eigenschaften der Natur genießen und in Harmonie und Ruhe über diese besinnen können, welche in der gesamten heiligen Landschaft des Gartens zum Ausdruck kommen.


Der Garten verdankt seine Schönheit und seinen unverwechselbaren Charakter der Vision, Hingabe und unermüdlichen Arbeit von Ōtsuka Eriko Taira no Masayuki (大塚永里子平政幸 / geboren 1993), die den Garten entwarf, ihn selbst anlegte und bis heute mit unerschütterlicher Hingabe pflegt. Durch unzählige Arbeitsstunden und ihre tiefe Verbundenheit sowohl mit den japanischen Gartentraditionen als auch mit der natürlichen Welt hat sie das Gelände in ein lebendiges Heiligtum verwandelt, dessen Schönheit mit jedem Wechsel der Jahreszeiten weiter wächst. Ihre Liebe zum Detail zeigt sich in jedem Winkel des Gartens, von der sorgfältigen Platzierung der Steine und Pflanzen bis hin zu der harmonischen Ausgewogenheit, welche die gesamte Landschaft miteinander verbindet. Ohne ihr außergewöhnliches Engagement würde der Kokuryū-En in seiner heutigen Form nicht existieren. 


Heute bietet der Kokuryū-En Besuchern eine seltene Gelegenheit, die Atmosphäre eines traditionellen japanischen Gartens im Herzen des Allgäus zu erleben. Gemeinsam mit dem Hokushin-Jinja bildet er eine einheitliche heilige Landschaft, in der japanische Tradition und bayerische Natur, Spiritualität und Schönheit in harmonischem Gleichgewicht miteinander bestehen.