Vor dem Ichi no Torii (Erstes Torii / 一の鳥居), dem Eingang des Hokushin-Jinja (Schrein des Nordsterns / 北辰神社), steht ein Paar steinerner Shishi (Löwenhunde / 獅子), traditionelle Wächterfiguren, die sowohl an Shintō-Schreinen (Japans einheimische Naturreligion / 神道) als auch an Tempeln des Bukkyō (Buddhismus / 仏教) in ganz Japan zu finden sind. Hervorgegangen aus alten Löwendarstellungen, die von Indien über China und Korea überliefert wurden, werden die Shishi (Löwenhunde / 獅子) – die ebenfalls häufig als Komainu (koreanische Hunde / 狛犬) bezeichnet werden – innerhalb des Shinbutsu-Shūgō (dem Synkretismus von Shintōismus und Buddhismus / 神仏習合) seit langem als Beschützer vor bösen Einflüssen, Unglück und spiritueller Unreinheit verehrt. An Eingängen und heiligen Grenzen aufgestellt, dienen sie dazu, den Bereich der Kami (Gottheiten / ), Butsu (Buddhas / ) und Bosatsu (Bodhisattvas / 菩薩) zu bewachen und zugleich jene zu beschützen, die mit aufrichtigem Herzen eintreten.

Das Paar am Hokushin-Jinja wurde von Hand aus vulkanischem Gestein gefertigt und folgt einem alten Stil, der starke chinesische Einflüsse bewahrt. Anders als die bekanntere japanische Konvention der Edo-Zeit (1603–1868), bei der ein Shishi (Löwenhund / 獅子) ein geöffnetes Maul und der andere ein geschlossenes Maul besitzt, weisen beide dieser Wächter geöffnete Mäuler auf, ein Merkmal, das häufig bei älteren chinesischen und ostasiatischen Beispielen des Festlandes anzutreffen ist und während verschiedener Epochen auch in Japan verbreitet war. Ihre kraftvollen Formen und ausdrucksstarken Gesichtszüge spiegeln eine Tradition wider, die vielen jener stilistischen Entwicklungen vorausgeht, welche später in Japan zum Standard wurden. Beispiele solcher chinesisch beeinflussten Shishi (Löwenhunde / 獅子) finden sich noch heute an einer Reihe bedeutender Schreine und Tempel in ganz Japan, darunter auch am berühmten Kiyomizu-Dera (Tempel des Reinen Wassers / 清水寺) in Kyōto.

Die Anwesenheit dieser Wächter am Eingang des Hokushin-Jinja erfüllt daher nicht nur ihre traditionelle Schutzfunktion, sondern dient zugleich als Erinnerung an den reichen kulturellen und künstlerischen Austausch, durch den sich viele Aspekte der japanischen Religionskultur ursprünglich entwickelten.